Wissen schaffen

Im Folgenden finden sich einige Informationen und Erklärungen aus dem Bereich der Rückenmarkverletzungen sowie die aktuellsten Publikationen der Abteilung.

 Paraparese / Paraplegie

Unter Paraparese versteht man die inkomplette Lähmung, unter Paraplegie die komplette Lähmung der Beine bedingt durch eine Schädigung des Rückenmarks im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS) bis zur Lendenwirbelsäule (LWS).

Je weiter unten die Schädigung auftritt, umso mehr Muskeln lassen sich noch willkürlich ansteuern. Liegt die Schädigung im oberen Bereich der BWS, ist die Rumpfkontrolle in Mitleidenschaft gezogen, so dass das freie Sitzen erschwert ist.

 Tetraparese / Tetraplegie

Unter Tetraparese versteht man die inkomplette, unter Tetraplegie die komplette Lähmung von Armen und Beinen. Hierzu kommt es bei einer Schädigung des Halsmarks, sprich einer Verletzung des Rückenmarks auf Höhe der Halswirbelsäule.

Je nach Schädigungshöhe können auch bei einer kompletten Lähmung noch einzelne Muskeln des Armes gezielt angesteuert werden.

Wenn die Schädigung sehr weit oben im Halsmark liegt, ist auch die Atemmuskulatur betroffen, so dass eine Langzeitbeatmung erforderlich werden kann. Für Tetraplegiker gibt es spezielle Umfeldkontrollgeräte, mit denen sie durch Pusten ein Telefon, Licht, Fernseher und ähnliche Geräte bedienen können. Tetraplegiker brauchen in der Regel einen Elektro-Rollstuhl, den man bei hoher Lähmung über einen Kinn-Joystick selbst bedienen kann.

 Caudasymptomatik

Zur Caudasymptomatik kommt es bei einer Verletzung des Rückenmarks im Bereich der unteren LWS. Hierbei zeigen sich vor allem schlaffe Lähmungen im Bereich der Füße oder des Unterschenkels sowie Blasen- und Darmentleerungsstörungen und Sensibilitätsstörungen.

Inkompletter / kompletter Querschnitt
Bei einem kompletten Querschnitt fehlt sowohl die Gefühls- als auch die Bewegungsfähigkeit unterhalb des Querschnitts.

Beim inkompletten Querschnitt sind die Gefühls- und/oder Bewegungsfähigkeit noch vorhanden, wobei die Ausprägung hier ganz verschieden sein kann, von leicht eingeschränkter Kraft bis zu tastbaren Muskelanspannungen, die aber zu keiner Bewegung führen.

Die Unterscheidung zwischen komplettem und inkomplettem Querschnitt ist vor allem in der Akutphase ein Prognose-Kriterium.

 Dekubitus

Druckgeschwür, das häufig am Gesäß auftritt. Bei oberflächlichen Dekubitalulzera besteht die Möglichkeit zur konservativen Therapie. Tiefere Defekte müssen operativ saniert und dann ggf. mit einer Lappenplastik gedeckt werden.

 Neurogene Störungen

Neurogene Blase

Blasenentleerungsstörung bei Nervenverletzung des Rückenmarkes.

Die Behandlung kann medikamentös oder mit Katheter erfolgen. Beim Kathetern besteht die Möglichkeit des Einmalkatheterns. Ist dies nicht möglich, kann ein suprapubischer Katheter gelegt werden, ein Blasenkatheter, der über die Bauchwand eingebracht wird.

Neurogene Mastdarmentleerungsstörung

(Teil-)Inkontinenz für Stuhlgang oder Darmträgheit (mit Verstopfung als Folge) aufgrund der Nervenverletzung im Rückenmark.

 Spastik

Unter Spastik versteht man eine erhöhte Muskelspannung in gelähmten oder teilgelähmten Arealen.

Spastiken sind häufig einschießend. Eine leichte Spastik kann nützlich sein, z. B. bei Transfers vom Rollstuhl ins Bett oder ähnliches. Eine starke Spastik ist jedoch eher hinderlich, so dass hier die medikamentöse Therapie erfolgt, wobei eine überschießende Spastik oft schwierig zu behandeln ist.