Wissen schaffen

​Eine der schwerwiegendsten Komplikationen in Orthopädie und Unfallchirurgie stellt die Infektion im Bereich einliegender Implantate dar. Die Sanierung des Infektionsherdes und die Rekonstruktion der Funktion ist die Herausforderung, der sich die Mitarbeiter der Septisch/Rekonstruktiven Abteilung täglich stellen. Zur erfolgreichen Behandlung ist die interdisziplinäre Koordination der verschiedenen notwendigen Diagnosen und Therapiemaßnahmen essenziell.

Die ständige Fort- und Weiterbildung sind ebenso Bestandteil der täglichen Arbeit wie die Teilnahme und Durchführung wissenschaftlicher Forschungsvorhaben, um die Qualität der Patientenversorgung stetig zu verbessern. Publikationen, Standardverfahren und Forschungsprojekte werden im Folgenden dargestellt.

 Osteomyelitis

Unter Osteitis versteht man die Infektion eines Knochens. In Deutschland werden jährlich über 12.000 Patienten stationär wegen einer Osteitis behandelt. Ursachen für diese Erkrankung sind oft offene Brüche oder Operationen, durch die Bakterien oder Pilze von außen in den Knochen gelangen. Erreger können aber auch über den Blutweg von anderen Infektionsherden im Körper (z. B. vereiterte Nasennebenhöhlen, Fußpilz) weitergeleitet werden und eine Knocheninfektion auslösen. Bei einer Knocheninfektion erfolgt die Therapie fast immer chirurgisch über eine Entfernung des infizierten Gewebes. Zusätzlich werden für den Erreger passende Antibiotika verabreicht und in Form von Antibiotika-beschichteten Schwämmen lokal appliziert. Kommt es nach einem Bruch zu einer Infektion und liegt noch eine Platte oder ein Nagel in dem betroffenen Knochen ein, muss diese meist entfernt werden, um eine Infektsanierung zu erreichen. Wenn sich keine Infektzeichen mehr zeigen und die Abstriche keine Erreger mehr nachweisen, kann mit der Rekonstruktion begonnen werden. Ist es zu einem größeren Knochendefekt gekommen, kann dieser u.a. über eine Kallusdistraktion ausgeglichen werden. Weichteildefekte können in Koooperation mit der Abteilung für Plastische Chirurgie z.B. über eine Lappenplastik (Verpflanzung von Muskel- und Hautgewebe von einer anderen Stelle des Körpers) gedeckt werden.

 Endoprotheseninfekt

Bei Patienten mit einliegender Prothese kann es einer Infektion kommen, von der die Prothese mit betroffen ist. Auch hier können die Erreger entweder von außen oder über den Blutweg in den Knochen gelangt sein. Wenn eine Prothese infiziert ist, muss diese fast immer ausgebaut werden, um eine Infektsanierung zu erreichen. Während der Infektsanierung wird meist ein Platzhalter aus mit antibiotikumhaltigen Knochenzement eingesetzt, der eine Verkürzung der Weichteile verhindert. Nach der Infektsanierung kann entweder eine neue Prothese implantiert werden, in besonderen Fällen kann auch eine Versteifung des Gelenkes (Arthrodese) erforderlich werden.

 Kallusdistraktion

Im Rahmen einer Osteitis kann es erforderlich sein, infizierten und abgestorbenen Knochen zu entfernen, wodurch ein Knochendefekt resultieren kann. ZUr Rekonstruktion von Defekten an langen Röhrenknochen hat sich das Verfahren der Kallusdistraktion bewährt. Hierfür wird der Knochen, der rekonstruktiert werden soll, im gesunden Bereich chirurgisch durchtrennt und das mobile Segment wird nun 1 mm/ Tag kontinuierlich entlang der Längsachse gezogen. Der sich in der Lücke bildende Kallus wird dadurch auseinander gezogen (Kallusdistraktion). Nach Abschluß des Transportes muß der neue Kallus bis zum Erreichen einer ausreichenden Stabilität noch aushärten (reifen). Die Kallusdistraktion kann über verschiedene Verfahren erfolgen, wobei der Ringfixateur und der Verlängerungsmarknagel die gängigsten sind.

 Debridement

Die klassische Form der Infektsanierung ist das Debridement. Hierbei wir das infizierte Gewebe radikal entfernt. Zur besseren Wundgrundgranulation wird in die Wunde ein Schwamm eingelegt und eine Vakuumversiegelung durchgeführt, bei der in der Wundhöhle ein Unterdruck erzeugt wird.

Bei einliegenden Implantaten oder Prothesen kann es zur Infektsanierung erforderlich sein, dass diese mit entfernt werden. Infizierter und abgestorbener Knochen muss ebenfalls entfernt werden, wobei der hierbei entstehende Defekt nach der Infektsanierung über eine Kallusdistraktion wieder geschlossen werden kann. Das Debridement wird solange wiederholt, bis die intraoperativ entnommenen Abstriche keinen Keimnachweis mehr zeigen.

 Lappenplastik

Zur Deckung von kleinen oder großen Weichteildefekten kommt in der Regel die Lappenplastik als Technik in Frage. Hierbei wird Muskel- und Hautgewebe von einer entbehrlichen Stelle des Patienten an die Stelle verpflanzt, an der der Defekt entfernt worden ist.

 Verlängerungsmarknagel

Der Verlängerungsmarknagel stellt ein weiteres Verfahren zur Kallusdistraktion dar. Vor allem bei der Verlängerung des Oberschenkel-Knochens kann ein von außen angebrachter Fixateur die Hüftbeugung und das Sitzen des Patienten deutlich erschweren, so dass hier ein intramedulläres Verfahren (Nagel liegt im Inneren des Knochens) vorzuziehen ist.

Der Verlängerungsmarknagel ist aber auch für den Unterschenkels verfügbar. Der bei uns verwendete Verlängerungsmarknagel besteht aus einer zweiteiligen Teleskopstange. Während der Operation wird auch hierbei der zu verlängernde Knochen chirurgisch durchtrennt. Dann wird der Nagel eingesetzt.

Nach der Operation wandert der distale (körperferne) Teil des Teleskops aus dem proximalen (körpernahen) heraus. Hierzu muss der Patient mit einem Steuerungsgerät den Verlängerungsprozess regelmäßig durchführen. Durch das Auseinandergleiten der Teleskopanteile vergrößert sich der Abstand zwischen den beiden Knochenhälften, und das Bein wird verlängert. Dieses Verfahren bietet eine große Stabilität, setzt aber eine zuverlässige Mitarbeit des Patienten voraus.

 Ilizarov-Ringfixateur

Der Ringfixateur ist ein Verfahren zur Kallusdistraktion, d. h. zur Verlängerung von Knochen.

Siehe Kallusdistraktion

Die Kallusdistraktion kann über den sog. Ilizarov-Ringfixateur durchgeführt werden. Hierbei werden Drähte oder Half-Pins in den Knochen eingebracht und das ganze wird über Ringe, die über Längsträger miteinander verbunden sind, stabilisiert. Vorteile des Ringfixateurs bestehen in der vollen Belastbarkeit und universellen Einsatzmöglichkeit, nachteilig ist besonders der Patientenkomfort.

Durch die dreidimensionale Fixation können Fehlstellungen auch noch sekundär korrigiert werden. Für den Patienten ist dieses Verfahren der Kallusdistraktion auch sehr leicht anzuwenden.

 Isolierstation

Keime die gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent sind erfordern im Krankenhaus eine Isolierung.

Beispiele multiresistenter Erreger (MRE) sind MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) oder MRSE (Methicillin-resistenter Staphylococcus epidermidis). Zunehmend werden auch Keime wie Eschereichia coli, Pseudomonas aeruginosa, Acinetobacter und Klebsiellen resistenter. 

Insofern haben wir für diese Patienten eine spezielle Isolierstation mit Betten eingerichtet. Dies dient einerseits dem Schutz der Patienten selber, da sich ein interdisziplinäres Team von Ärzten und Pflege um diese Patienten kümmert und gezielt versucht die Patienten zu "dekontaminieren". Andererseits schützen wir auch andere Patienten und Personal vor Übertragungen dieser schwierig zu behandelnden Keime. 

Vor jedem Patientenzimmer liegt eine Schleuse, in der sich das Personal oder der Besucher umziehen kann, um eine Keimverschleppung und  -ausbreitung zu unterbinden. Die Isolierstation bietet auch Monitorplätze an für überwachungs-, aber nicht mehr intensivpflichtige Patienten.

 

Da die Isolierstation auf die Erfordernisse der isolierpflichtigen Patienten speziell abgestimmt ist, kann auf dieser Station ein höchst mögliches Niveau der Patientenversorgung realisiert werden und eine Stigmatisierung der Patienten wird verhindert.