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Als wichtiger Teil des Bewegungsapparates hat die Wirbelsäule verschiedene mechanische Funktionen und bietet ein weites Feld für Forschung.

Im Folgenden finden sich einige Informationen zur Anatomie und Biomechanik der Wirbelsäule sowie die aktuellsten Publikationen unserer Abteilung.

 Anatomie der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule wird in 5 einzelne Abschnitte unterteilt: Halswirbelsäule (HWS), Brustwirbelsäule (BWS), Lendenwirbelsäule (LWS), Kreuzbein und Steißbein. Jeder einzelne Abschnitt setzt sich aus einzelnen Wirbeln zusammen, so dass der Mensch insgesamt

  • 7 Halswirbel
  • 12 Brustwirbel
  • 5 Lendenwirbel
  • 5 Kreuzbeinwirbel
  • 5 Steißbeinwirbel

hat, wobei die Kreuz- und Steißbeinwirbel in der Regel miteinander verschmelzen.

Wenn man die Wirbelsäule von der Seite betrachtet, erkennt man ihre sog. Doppel-S-Krümmung, die sich aus der HWS-Lordose, BWS-Kyphose und LWS-Lordose zusammensetzt.

Abgesehen von der oberen HWS (C0 – C2) zeigen die einzelnen Wirbelsäulensegmente einen ähnlichen Aufbau mit

  • Wirbelkörper
  • Wirbelbogen
  • Wirbelgelenken
  • Bandscheiben
  • Bandverbindungen

Die Wirbelkörper bilden zusammen mit den Bandscheiben die vordere Säule. Auf dieser lasten beim aufrechten Gang über 80% des Körpergewichts. Vom Wirbelkörper gehen die Wirbelbögen ab, die den knöchernen Schutz des Rückenmarks bilden. Benachbarte Wirbel sind über die Wirbelgelenke und Bandstrukturen miteinander verbunden. Diese hinten gelegenen Wirbelgelenke und Bänder tragen die restlichen 20% des Körpergewichts.

 Funktion und Biomechanik

Die Wirbelsäule ist der zentrale Kraftträger in unserem Körper. Sie nimmt Druck- und Stoßbelastungen auf, dämpft diese und leitet sie schließlich weiter. Außerdem ist die Wirbelsäule an der Gesamtbeweglichkeit von Kopf und Rumpf beteiligt.

Die kleinste funktionelle Einheit der Wirbelsäule ist ein Bewegungssegment, das aus zwei benachbarten Wirbeln, der dazwischen liegenden Bandscheibe, den Wirbelgelenken und dem Bandapparat besteht.

In einem Bewegungssegment sind im wesentlichen Beugung (Flexion) und Streckung (Extension), Drehung und Seitneigung jeweils nach rechts und links möglich, wobei die einzelnen Abschnitte der Wirbelsäule unterschiedlich beweglich sind.

Der beweglichste Abschnitt ist die HWS, gefolgt von der LWS. Die dazwischenliegende BWS ist dagegen so eng mit den Rippen und dem Brustbein (und somit dem knöchernen Brustkorb) verbunden, dass eine Bewegung nur sehr begrenzt möglich ist.

Verletzungen der Wirbelsäulen treten oft durch Beschleunigung oder abruptes Abbremsen des Körpers auf und finden sich deshalb meistens in den Übergangszonen von sehr beweglichen zu eher unbeweglichen Abschnitten. So liegen die häufigsten Verletzungen im Übergangsbereich von der BWS zur LWS.

Operationsverfahren

In der Wirbelsäulenchirurgie angewandte Operationsverfahren:

 Dorsale Verfahren

Dorsale Verfahren sind indiziert bei instabilen Brüchen der Wirbelsäule, wobei die klassische Operation hierbei die Aufrichtung und Stabilisierung des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts mit einem Fixateur interne ist. Der Patient wird in Bauchlage operiert.

In die Wirbelkörper werden über und unter dem verletzten Wirbel (transpedikuläre) Schrauben eingebracht, anschließend werden die Längsträger des Fixateurs aufgesetzt, und die Wirbelsäule wird wieder anatomisch eingerichtet.

Durch die Wiederherstellung der physiologischen Form der Wirbelsäule können bereits bestehende Einengungen des Rückenmarkkanals beseitigt oder entscheidend gebessert werden.

Wenn eine (teilweise) Freilegung des Rückenmarkkanals erforderlich ist, z. B. weil Knochensplitter auf das Rückenmark drücken, muss man offen vorgehen. Ist dies nicht der Fall, kann die Operation auch minimal-invasiv als sog. perkutanes Verfahren durchgeführt werden. Hierbei sind nur sehr kleine Schnitte erforderlich, über die die Schrauben und Längsträger eingebracht werden.

Zudem besteht die Möglichkeit einer Zementaugmentation, d. h. durch die Pedikelschrauben wird Knochenzement in den Wirbelkörper appliziert, was vor allem im osteoporotischen Knochen eine bessere Verankerung bewirkt und das Risiko für ein Auslockern der Schrauben verringert.

 Ventrale Verfahren

Wenn die vordere Säule der Wirbelsäule zerstört ist, ist die ventrale Stabilisierung indiziert, entweder als alleiniges Verfahren oder zweizeitig nach bereits erfolgter dorsaler Versorgung.

Durch diese Operation, die in den allermeisten Fällen endoskopisch (thorakoskopisch oder über Minilumbotomie; je nach Höhe des verletzten Wirbelkörpers) und somit minimalinvasiv durchgeführt werden kann, wird der verletzte Wirbel rekonstruiert, und die Belastungsfähigkeit der Wirbelsäule wird wiederhergestellt.

Für dieses minimalinvasive Verfahren sind in unserer Klinik spezielle Instrumente und Implantate entwickelt worden. Bei der Operation liegt der Patient in Seitenlage. Über 4 kleine Schnitte in den Zwischenrippenräumen werden zunächst die Kamera und dann die für die Operation erforderlichen Instrumente eingebracht.

Während des Eingriffs ist es häufig erforderlich, die geborstenen Anteile des Wirbelkörpers und der Bandscheiben zu entfernen und diese durch einen Knochenblock oder einen Metallkorb aus Titan zu ersetzen, um die sofortige Belastungsfähigkeit der Wirbelsäule wieder herzustellen. Eine Metallplatte aus Titan, die mit Schrauben in den benachbarten Wirbelkörpern verankert wird, sichert das Rekonstruktionsergebnis zusätzlich.

 Kyphoplastie

Bei der Kyphoplastie (griechisch: „Wirbel neu bilden“), die seit 2000 in unserer Klinik durchgeführt wird, handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren, das bei (osteoporotischen) Wirbelkörperbrüchen angewendet wird.

Diese Operation hat ihre Hauptindikation bei starken Schmerzen, die auf konservative Therapie nicht ansprechen.

Durch die Kyphoplastie wird der deformierte Wirbelkörper wieder aufgerichtet, so dass die Rückenschmerzen schon direkt nach der Operation deutlich gebessert sind.

Während des Eingriffes wird über 2 Kanülen jeweils ein Ballon in den gebrochenen Wirbel eingeführt. Dann werden die Ballons zunächst mit Kontrastmittel gefüllt, wodurch der zusammengebrochene Wirbel teilweise aufgerichtet wird. Anschließend wird in die entstandene (Ballon-)Höhle Knochenzement eingespritzt, wodurch die Stabilisierung des gebrochenen Knochens gewährleistet wird.

  Leitender Arzt Wirbelsäulenchirurgie

Dr. Oliver Gonschorek

Sekretariat :
Ina Bertelmann

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